Neubauten an der Fern-Universität Hagen mit Betonfertigteilen realisiert

Oktober 2011

Um neuen Raum für Mitarbeiter und Studenten zu
schaffen und die bisher in der Stadt verteilten Liegenschaften auf dem
Campus zu bündeln, wird an der Fern-Universität Hagen derzeit mit
Hochdruck gebaut. Bis Mitte 2012 erstellt der Bau- und
Liegenschaftsbetrieb NRW Soest (BLB NRW) im Rahmen des aktuellen
Hochschulmodernisierungsprogramms der Landesregierung NRW ein Ensemble
aus drei neuen Verwaltungsgebäuden der Fakultät für Kultur- und
Sozialwissenschaften sowie einem großzügig angelegten Seminargebäude.
Aufgrund des engen Bauzeitplans und der hohen Wirtschaftlichkeit und
Flexibilität wird der gesamte Gebäudekomplex mit vorgefertigten
Betonfertigteilen durch die Bernhard Heckmann GmbH & Co KG (Hamm)
realisiert.

Architektur und Gebäudekonzept
Der vom Dortmunder Architekturbüro Assmann Beraten + Planen GmbH geplante Neubau  wird in prominenter Lage südlich unterhalb des ehemaligen Technologie-
und Gründerzentrums (TGZ) der Fern-Universität errichtet. Durch die Lage
am Hang werden die neuen Gebäude künftig der erste „visuelle Kontakt“
für alle mit PKW anreisenden Besucher und Mitarbeiter sein. Ein neuer
Außenbereich – der „weiße Platz" – bildet die Erweiterung des bereits
bestehenden „roten Platzes" und bindet die Mensa, das Seminargebäude und
die neuen Verwaltungsgebäude in das Gesamtkonzept ein. Architektonisch
eigenständig gehalten, entsteht somit ein neuer, prägnanter Baustein der
Universität. Zwei gläserne Brücken werden die drei Gebäudeblöcke der
Kultur- und Sozialwissenschaften mit dem zweigeschossigen Foyer des
Seminargebäudes verbinden. Die verglaste Konstruktion baut „Spannung“
zwischen den Gebäuden auf und sichert den Ausblick in Richtung Tal und
TGZ –was die Orientierung innerhalb des Gebäudes steigert. Dabei wirken
die Gebäude selbst wie große Passepartouts, die eine Offenheit von Lehre
und Forschung architektonisch „umrahmen". Das architektonische Signal
der neuen Gebäude ist Transparenz und Nachhaltigkeit bei hoher
Wertigkeit. Die Materialien und die Farbgebung der „Passepartouts“ sowie
die inneren Flächen spiegeln ein zeitloses, schlichtes, aber
repräsentatives Bild von Wissenschaft und Lehre wieder. Die innere
Gebäudestruktur wurde genau auf die Anforderungen der Fern-Universität
ausgelegt: Es überwiegen wirtschaftliche Zellenbüros, die über ein
Mittelflursystem erschlossen werden. Wilfried Klaus, Projektverantwortlicher beim BLB NRW in Soest: „Insgesamt werden nach Fertigstellung im Gebäudeteil der Kultur- und Sozialwissenschaften ca. 3.450 m² und im neuen multifunktionalen Seminargebäude ca. 460 m² Nutzfläche zur Verfügung stehen. Mit einem Seminarraum für 250 Personen  und drei weiteren für jeweils 50 Personen entsteht ein Zusatzangebot
hochwertiger Flächen für Veranstaltungen der Universität und das
Platzproblem ist somit gelöst.“

 

Bohrpfahlwände zur Abstützung von Hang und Bestandsgebäuden
Bevor mit dem Bau der Gebäude begonnen werden konnte, musste das Gelände
zunächst aufwendig für die Baumaßnahme vorbereitet werden. Zur
Abstützung des Hangs sowie des oberhalb verorteten TGZ setzte eine
Arbeitsgemeinschaft von Bauer Spezialtiefbau GmbH (Essen) und Gebr.
Schmidt GmbH & Co. KG (Kirchen-Freusburg) zunächst Dutzende bis zu
16 Meter lange Bohrpfahlwände in die Erde. Dabei wurden mit
Spezialbaggern zunächst ein Bohrloch erstellt und die Erdmasse daraus
entfernt.

Je nach statischen Anforderungen wurde danach eine
Bewehrung in das Bohrloch eingesetzt, bevor die Spezialisten Beton
einfüllten. Nach der Aushärtung wurde jeweils das übernächste Bohrloch
erstellt, dann erst dazwischen liegendes Loch – so ergibt sich eine
geringere Überschneidung zwischen den Bohrpfählen, die sicherstellt,
dass die Wand „dicht“ ist und die darüber liegenden Erdlasten des Hangs
tragen kann.

 

Fertigteilbauweise spart Zeit und Kosten
Die Planung der Gebäude stellte die Experten vom Architekturbüro Assmann
vor besondere Herausforderungen. Aufgrund des Zeitplans musste das
zunächst in konventioneller Ortbetonbauweise geplante und auch bereits
statisch bemessene Bauwerk nochmals komplett geplant und berechnet
werden – und zwar für den Bau mit Betonfertigteilen. Eine letztendlich
sinnvolle Entscheidung, wie Dipl.- Ing. Architekt Achim Schormann von
Assmann erklärt: „Durch die drei relativ gleichen Verwaltungsgebäude
erwies sich das elementierte Bauen mit vorgefertigten Betonfertigteilen
im Endeffekt als geradezu ideal. So können wir nicht nur Zeit, sondern
auch Kosten einsparen.“

 

Hohe Deckenspannweite, wenige Stützen = hohe Flexibilität in der Nutzung
So wurden alle drei Verwaltungsgebäude mit einem Tragwerk aus
Fertigteilstützen realisiert. Bei der Erstellung der Wände kamen große
Fensterfronten und im Werk gefertigten Vollelementen zum Einsatz. Darauf
wurde eine Perimeterdämmung und Glaswolle aufgebracht, die Fassade
besteht aus einer Kombination von Naturstein und einer glänzend
schimmernden Metalloberfläche. Die Decken der Verwaltungsgebäude wurden
mit Spannbeton-Hohldielen ausgeführt – was hinsichtlich der
Gebäudenutzung Vorteile sichert. Dazu erklärt Dipl.-Bauingenieur Milenko
Pulic, Bauleiter bei der Heckmann GmbH & Co. KG: „Durch den Einsatz
von Filigranstützen und Spannbeton-Hohldielendecken sind sehr große
Spannweiten bis zu 7,50 m möglich. So benötigen wir bei einer
Geschoss-Grundfläche von 600 m² nur 24 Stützen. Das ermöglicht die vom
Bauherrn geforderte hohe Flexibilität in der Raumaufteilung. Die
Raumabgrenzung geschieht durch einfaches Aufstellen von
Trockenbauwänden. Je nach Nutzungswunsch ist somit zukünftig jederzeit
eine Änderung möglich.“

Auch das Seminargebäude wurde größtenteils aus
Beton-Fertigteilen gebaut.  Nur der Kellerbereich – hier befindet sich
die Haustechnik des Gebäudekomplexes – wurde mit Ortbeton umgesetzt. Die
Bauarbeiten laufen nach Plan. Und schon in wenigen Monaten hat die
Fern-Universität Hagen eine neue, weithin sichtbare Landmarke – und mehr
Platz für Forschung und Lehre. 

 

Objekttafel:

 

Projekt:  Neubau von 3 Verwaltungsgebäuden und
   1 Seminargebäude an der Fern-Uni Hagen

 

Bauherr:   BLB NRW Soest (Soest)

 

Mieter:   FernUniversität Hagen (Hagen)

 

Generalplaner: Assmann Beraten + Planen GmbH (Dortmund)

 

Planung Hochbau:  ar.te.plan GmbH (Dortmund)

 

Generalunternehmer: Bernhard Heckmann GmbH & Co KG (Hamm)

 

Bohrpfahlwände: Arbeitsgemeinschaft Bauer Spezialtiefbau GmbH (Essen)
und Gebr. Schmidt GmbH & Co. KG (Kirchen-Freusburg)

 

Gesamtinvestition: 12,2 Mio. Euro (+ Seminargebäude: 2 Mio. Euro)

 

Fertigstellung:   Juni 2012

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